Deine Wege

Das Buch ‘Novecento’ von Alessandro Baricco handelt von einem Jungen, der sein ganzes Leben auf einem Schiff verbracht hat. Eines Tages bekommt er die Möglichkeit, das Schiff zu verlassen. Da sieht er all die möglichen Wege in der Stadt vor sich und das erschreckt ihn so sehr, dass er lieber auf dem Schiff bleibt.

Manchmal geht es uns wahrscheinlich auch so; wir überlegen, welche Wege wir gehen werden und wie es uns dabei gehen wird. Eines kann ich hier schon vorweg nehmen, jeder Weg ist es wert, dass wir ihn gehen. Denn am Ende sind wir vor allem eines, nämlich stärker.

Mut

Erkin Demir

Ein gerader Weg liegt vor uns, so wie die Brücke in der Fotografie. Dort überlagert sich der Weg mit dem Bild der Frau – der Weg ist ein Teil von ihr.

Genauso gibt es Wege in unserem Leben, die zu uns gehören, und sie zu gehen, fühlt sich ganz natürlich an. Vielleicht denken wir auch gar nicht allzu sehr darüber nach.

Aber wenn wir mit unseren Augen bis zum Ende der Brücke in dem Bild gehen möchten, so geht es nicht. Es ist kein Ende in Sicht. Doch dann überlegen wir, wann kennen wir wirklich schon das Ende eines Weges?

Wir können uns Gedanken darüber machen, aber sicher können wir uns nie sein. Das wiederum kann uns verunsichern, möchten wir doch gerne wissen, was uns erwartet. Wir merken, einen Weg zu gehen, macht etwas mit uns. Wir müssen mutig sein, weitergehen, auch wenn wir das Ende nicht sehen können.

Gelassenheit

Erkin Demir

Doch nicht immer liegt ein gerader Weg vor uns, vielleicht mehr als oft, befinden wir uns an einem Ort und wissen nicht so recht, wie es weitergehen soll.

Die Frau in der nächsten Fotografie ist von einem Tal mit dichtem Nebel umgeben. Hier gibt es scheinbar keinen Ausweg, ein beklemmendes Gefühl überkommt uns in solch einer Situation. Hohe Felsen zu beiden Seiten, dunkel ragt die Landschaft auf.

Auf den ersten Blick wirkt das aussichtslos, aber dann bemerken wir etwas an der Frau in dem Bild. Sie hat die Augen geschlossen und wirkt ganz ruhig. Und genau das ist es, was in solch einer Situation gut tun kann.

Anstelle verzweifelt nach einem Weg zu suchen, von dem wir denken, dass er da sein muss, bleiben wir ruhig. Schließen die Augen, finden zu uns selbst. Der Nebel wird sich lichten und dann werden wir einen Weg sehen. Bis dahin versuchen wir ruhig, gelassen und bei uns zu bleiben. Den so wichtig es ist, seinen Weg zu gehen, so wichtig ist es auch, zu verweilen, sich Zeit für eine Pause zu nehmen.

Zuversicht

Erkin Demir

So ein schöner Sternenhimmel, denken wir bei der nächsten Fotografie. Eine breite Brücke führt darauf zu und an deren Ende sehen wir ein Paar. Ein langer Weg, aber am Ende haben sie sich gefunden und sind den Sternen, dem Himmel ganz nah.

Die Frau, deren Bild sich mit dem Sternenhimmel und der Brücke überlagert, hat auch die Augen geschlossen. Vielleicht träumt sie von diesem Weg, diesem Weg der Liebe.

Eines können wir sicher über die Liebe sagen, sie geht manchmal ganz unerwartete Wege und wir gehen mit. Für längere Zeit gehen wir vielleicht alleine und fragen uns, wann er endlich kommt, unser Traummann, mit dem wir in die Sterne sehen können.

Der Weg scheint uns manchmal viel zu lang, aber, das sagt uns dieses Bild, am Ende schenkt uns die Liebe den, auf den wir gewartet haben. Ein Happy End gibt es für uns, manchmal kann der Weg dorthin nur etwas länger sein. Aber die Sterne, die warten auf uns, die bleiben noch lange genug, damit wir sie sehen können.

Stark sein

Auf den Wegen, die sich vor uns im Leben ausbreiten, brauchen wir Mut, Gelassenheit und Zuversicht. Mit sicheren Schritten gehen wir dem unbekannten Ende entgegen, gelassen machen wir eine Pause und zuversichtlich schreiten wir der Liebe entgegen.

Erkin Demir

Manchmal klappt das jedoch nicht immer so gut – vielleicht kommen wir doch mitten auf dem Weg zum Stehen, warten ungeduldig darauf, dass es weitergeht und verzweifeln an der Liebe.

Genau das sind die Momente, die wir auch brauchen. Sie geben uns die Chance, stark zu sein, zu wachsen. In dem letzten Bild sieht es fast so aus, als ob der Baum aus der Frau hinauswächst.

Ganz egal, welchen Weg wir gehen, wie wir damit umgehen, am Ende macht es uns stärker. Denn wir müssen weitergehen, auch wenn der Nebel uns Angst macht. Wir müssen gelassen bleiben, auch wenn es schwerfällt. Und wir müssen an die Liebe glauben, auch wenn sie weit weg scheint.

Genau das schaffen wir auch. Gehen weiter, verweilen und hoffen, und sind danach wieder ein Stück stärker geworden, sind an den Situationen gewachsen und gehen umso stärker weiter.

Wenn der Mann in dem Buch ‘Novecento’ das Schiff nicht verlässt, dann verpasst er nicht nur spannende Wege. Sondern er verpasst auch, selber mit diesen Wegen zu wachsen. Jeder Weg, den wir gehen, jede Pause die wir machen, ist gut für uns. Es kommt darauf an, dass wir bei uns bleiben, an uns glauben, und am Ende wissen, dass jeder Weg zählt.

 

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