Länger als eine Nacht

Es war eine lauwarme Nacht in Paris. Sie wollte sich bewegen. Aber ein Spaziergang würde nicht reichen. Musik brauchte sie. Sie sehnte sich nach dem Tanzen.

Guten Abend

Irgendwann sah sie ihn in dem Café. Ihre Lieblingsmusiker setzten gerade zum nächsten Stück an. Sein Blick traf ihren Blick. Kurz danach, seine Hand nahm ihre Hand. Und sie tanzten zusammen. Beide fühlten es, dieses Knistern zwischen ihnen. Sie wussten nichts voneinander, nicht mal den Namen. Trotzdem war da etwas, fast wie eine Art Vertrautheit.

In einer Musikpause murmelte er ein paar Worte und verschwand. Sie wartete auf ihn, doch vergebens. Damit, dass er nicht mehr wiederkäme, hatte sie nicht gerechnet. Viele andere Szenarien hatte sie sich vorgestellt. Dabei war sie so beschäftigt gewesen, zu überlegen, wie sie in welcher Situation reagieren würde. Und dann geschah das, worauf sie nicht vorbereitet war. Er ließ sie allein zurück.

Gute Nacht

Mit der Enttäuschung im Arm verließ sie das Café. Für heute hatte sie genug Bewegung gehabt. Ihr letzter Gang für heute führte sie direkt nach Hause. Doch kurz bevor sie Zuhause ankam, zögerte sie. Jemand stand vor ihrer Tür. Genauso wie er sie im Café angesehen hatte, blickte er ihr jetzt entgegen.

Sie hatte einiges auf dem Herzen. Aber die Worte fehlten ihr. Was nicht fehlte, war die Anziehung zwischen ihnen. Es war ihre Nacht, das fühlten sie. Diese Nacht setzten sie dann in ihrer Wohnung fort. Eine berauschende Nacht. Irgendwann schlief sie ein. Als sie aufwachte, war er fort. Sie war enttäuscht, das zweite Mal innerhalb so kurzer Zeit.

Guten Morgen

Am nächsten Morgen kitzelte die Sonne sie. Paris erwachte, sie langsam auch. Sie konnte sich jedoch nicht daran erinnern, die Fensterläden offen gelassen zu haben. Obwohl sie die Augen geschlossen hatte, spürte sie es. Er war da. Sein Blick auf ihr, leise sprach er zu ihr.

Ohne die Augen zu öffnen, ließ sie jetzt ihr Herz sprechen: “Wenn das mit uns in irgendeiner Weise weitergehen soll, dann bleibst Du.” “Ja”, war das einzige, was er darauf antwortete. Und sie spürte, dass sie es jetzt nicht wissen wollte, weshalb er zwei Mal weggegangen war. Sie wollte jetzt mit ihm zusammen sein.

Er blieb. Sie würde noch oft morgens aufwachen, während er am Fenster stand und sie ansah. Und sie zweifelte kein Mal mehr daran, dass sie beide bleiben würden. Zusammen. Länger als eine Nacht.

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