Für immer und ewig vielleicht

Manchmal sind Liebesgeschichten schon am Anfang so schön, fast zu schön um wahr zu sein. Wir fühlen, dass das nicht gut gehen kann. Aber warum? Vielleicht weil wir es mittlerweile gewohnt sind, dass eine Liebesgeschichte immer irgendeine Hürde überwinden muss.

So lange wie es Menschen gibt, hat es diese tragischen Liebesgeschichten auch schon gegeben. Das zeigt uns die Geschichte von Orpheus und Eurydike. Es ist eine sehr alte Sage, sie stammt aus der antiken Mythologie.

Anfang gut, alles gut?

Orpheus, ein Seefahrer, verliebte sich in Eurydike. Sie waren ein glückliches Paar, und wurden sogar als eines der schönsten Liebespaare bezeichnet. Eines Tages fuhr Orpheus in die Stadt, um ein Tuch für Eurydike zu kaufen. Und sie pflückte Blumen für ihn. Doch ein berühmter Imker, Aristaios, erblickte sie. Daraufhin überschlugen sich die Ereignisse. Der Imker versuchte Eurydike zu vergewaltigen, sie floh und trat dabei auf eine Schlange. Diese biss Eurydike und sie starb.

Orpheus und Eurydike, Debby Moore

Eigentlich beginnt jetzt der Teil der Geschichte, der wirklich tragisch ist. Und es ist auch der Part, für den Orpheus und Eurydike besonders bekannt sind. Orpheus litt sehr unter dem Tod seiner geliebten Eurydike. Also begab er sich auf eine Reise. Sein Ziel war das Totenreich, in dem Eurydike sich aufhielt.

Zauber der Musik

Orpheus war ein talentierter Musiker. Mit seiner Musik auf der Lyra, einem Saiteninstrument, verzauberte er alle um sich herum. Dazu gehörte zum Beispiel Charon. In der Mythologie war das der Fährmann, der die Toten über den Fluss Styx ins Totenreich brachte. Verzaubert von Orpheus Musik half Charon ihm ins Totenreich zu gelangen. Obwohl eigentlich nur Tote dorthin durften.

Die Liste der Verzauberten wurde länger. Orpheus zog den Höllenhund und die beiden Wächter des Totenreichs, Persephone und Hades, ebenfalls in seinen Bann. Am Ende stimmten die Götter der Unterwelt zu, dass Orpheus Eurydike mit zu den Lebenden nehmen durfte.

Und wir atmen erleichtert auf, so viele Hürden hat Orpheus geschafft, jetzt scheint das Happy Ende für dieses besondere Liebespaar ganz nah.

Bist Du noch da?

Hades aber hat eine Bedingung. Die Geliebten mussten hintereinander gehen und Orpheus durfte sich nicht nach Eurydike umblicken. Das galt bis sie wieder in dem Reich der Lebenden sein würden. Das müsste zu schaffen sein, denken wir. Aber ist es wirklich so einfach? Es hat viel mit Vertrauen zu tun, mit Sorge, ob der andere, den man gerade noch verloren hatte, auch wirklich noch da ist.

Orpheus und Eurydike, Emily Balivet

Orpheus und Eurydike machten sich auf den Weg, Orpheus spielte weiter auf seiner Lyra, damit der Zauber nicht nachließ. Doch dann, das Licht war schon für sie sichtbar, ergriff Orpheus eine Angst. War Eurydike wirklich noch hinter ihm? Und um eine Antwort darauf zu finden, drehte er sich um.

Stille, denn wir wissen, was das jetzt bedeutet. Vorbei, Ende, ohne ein Happy. Eurydike musste für immer in das Totenreich, und wir fühlen, dass das vielleicht eines der traurigsten Enden ist, das wir kennen. So nah waren die beiden an ihrem Glück, die zweite Chance zum Greifen nah. Und dann soll alles so schnell doch vorbei sein?

Diese Geschichte von Orpheus und Eurydike ergreift mich sehr. Es ist besonders dieser Gang der beiden, hintereinander und im Vertrauen darauf, dass der andere noch da ist. Diese Szene ist für mich zeitlos, sie erinnert mich an unsere Beziehungen. Wir können einander nicht immer sehen und doch müssen wir darauf vertrauen, dass der andere noch da ist, bei uns bleibt. Aber auch wenn wir uns umdrehen, nach dem anderen rufen, dann ist er noch da. Wir haben sicher etwas mehr Glück als Orpheus und Eurydike. Und das ist gut zu wissen.

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